Montag, 5. März 2012

Geheimrezept zum Glücklichsein - Seifenblasen


Sie zählen zu den wenigen Dingen im Leben, die nie an Faszination verlieren werden, Seifenblasen. Das Wasser-Seifen-Gemisch ist mir erst gestern Abend wieder 'begegnet', als ich ein Live-Video von einer meiner Lieblingsbands geschaut habe. Ein Open-Air, eine Bühne mit einer Rockband, die eine ihrer einfühlsamsten Balladen präsentiert, und ein Menschenpulk in den vorderen Reihen, das mit Pustefixen Seifenblasen aufsteigen lässt. Ein leises „Oiii“ ging mir von den Lippen und ich überlegte, ob das jetzt schon kitschig sei oder einfach nur eine niedliche Idee.

Es ist doch schon interessant, wie zeitlos diese unscheinbaren kurzlebigen Bläschen sind. Ich erinnere mich, dass ich schon als Kind begeistert die Pusteringe um mich herum wirbelte, um dann den Seifenblasen hinterher zu laufen, sie auf meiner Hand tänzeln zu lassen, bis sie schließlich – wie ich heute immer noch bedauere – viel zu schnell zerplatzten. Ich gestehe, dass ich mich deshalb um so mehr freute, als ich letztes Jahr in einem Deko-Geschäft wahre Pustefix-Giganten fand, die mehr als doppelt so große Pusteringe hatten. Größere Pusteringe, größere Seifenblasen, längere Seifenblasenlebensdauer! Ich suchte für mich selbst nach einer guten Ausrede, um diesen Riesenpustefix mit gutem Gewissen und ohne peinlich berührt zu wirken, zu kaufen, ging zur Kasse und fand mich einen Tag später im Garten mit meiner Nichte wieder. Und es zeigte sich, Seifenblasen kennen keine Altersbeschränkung. Sie kitzeln die Seele und versprühen bei allen, die sich in ihrer Umgebung aufhalten, gute Laune.

Wenn es tatsächlich so einfach ist, Glück und Freude in die Welt zu pusten, frage ich mich, warum man in unserer Gesellschaft eigentlich immer Millionen für Werbespots und andere Marketingkampagnen ausgibt, um positiv auf sich und seine Produkte aufmerksam zu machen. Aber andererseits wäre es auch viel zu schade, wenn Seifenblasen für derartige Geschäftsvorgänge 'benutzt' würden.
Dass man Seifenblasen trotzdem auf eine schöne, nicht aufdringliche Art funktionalisieren kann, habe ich bei meinem letzten Besuch in der Neustadt von Dresden erfahren. Ich lief eine verkehrsreiche Straße entlang, in der wegen der vielen dort ansässigen Cafés wohl auch nachts alles andere als Ruhe herrscht. Aber nicht nur Cafés, sondern u.a. auch ein Geschäft für Musikinstrumente und ein Spielzeuglädchen haben sich dort niedergelassen. 
Noch ganz begeistert von dem pinken Bass, der mich im Schaufenster des Musikinstrumentenladens anstrahlte, stolperte ich fast über die kleine Attraktion vor dem Spielzeuglädchen. In einem kleinen Puppenstuhl aus Holz, wie ich ihn in ganz ähnlichem Design als Kind auch mal besaß, saß ein Teddy und blies unaufhörlich Seifenblasen auf den Fußweg. Ich konnte mir einen kleinen Aufschrei nicht verkneifen. Ich war derart überrascht, dass mich meine Begleitung verwirrt anblickte. Sie hatte das kleine Szenario vor dem Spielzeuglädchen nicht entdeckt, wie sich kurz darauf herausstellte. 
Da sitzt also auf einer der belebtesten Straßen dieses Stadtviertels vor einem kleinen unscheinbaren Laden ein Teddy, der den Fußgängern fast unbemerkt vorführt, wie er – natürlich vollautomatisch – mit einem Pustefix Seifenblasen in die Stadt fliegen lässt. Dieses Szenario ließ mich für einen kurzen Moment vergessen, wo ich gerade mit wem weshalb wo bin. Die Seifenblasen winkten mir, holten mich ab und nahmen mich mit in eine Welt, die mich sehr an meine Kindertage erinnerte. Für einen Moment stand die Welt um mich herum still und ich fühlte wie die Seifenblasen meine Mundwinkel bis zu meinen Ohrläppchen dehnten. Meine Augen verfolgten wie gebannt, wohin sich die Seifenblasen wendeten. Dann kam jedoch der Moment, in dem die Welt wieder an Fahrt aufnahm und mich zurück in den Alltag schubste – ein Pieks, der die Seifenblasen zerspringen ließ. 
Einen kurzen Moment lang war ich traurig, dass meine Reise mit den Seifenblasen schon wieder vorbei ist. Doch dieser "Kurztrip" hat so sehr die Seele gestreichelt, dass ich einfach nur vor Glück und Freude strahlend an dem Spielzeuglädchen vorbeiging und mich freute, dass irgendwann mal jemand etwas so Bezauberndes wie Seifenblasen erfunden hat. Und der Ladenbesitzer hat zumindest bei mir mit dieser kleinen Attraktion erreicht, dass ich das nächste Mal, wenn ich wieder in der Nähe bin, sicherlich den Laden aufsuchen und hineingehen werde. Wer braucht da noch teure Werbespots oder Anzeigenkampagnen?!

Also wenn es euch in nächster Zeit mal nicht so gut geht oder ihr Menschen in euren Bann ziehen wollt, schnappt euch ein Pustefix und beglückt die Welt mit Seifenblasen! 



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