Mittwoch, 23. Mai 2012

Street-Art II: Home is ...


Weiter geht es mit unserer kleinen, künstlerisch ambitionierten Reihe. Zuvor wurde euer Blick nach unten gelenkt, Tiny schrieb über kleine philosophische Weisheiten, die sie wortwörtlich vor ihren Füßen fand.

Mein Augenmerk richtet sich heute auf eine Installation, die am Rande der Chemnitzer Innenstadt zu finden ist. Dazu ein kleiner Exkurs. Chemnitz ist eine Industriestadt mit Tradition, noch heute geprägt von vielen Industriebauten. Im Laufe der Zeit haben sich die Gegebenheiten und Bedürfnisse jedoch geändert, Industrie gibt es hier immer noch reichlich. Doch der einstige Boom ist vorbei und Chemnitz verändert sich stark. Menschen ziehen weg, Gebäude stehen leer und verfallen. 
So erblickt man hier, wie in so vielen Großstädten, zwischen modernen Lofts und Mehrfamilienhäusern, nicht selten ein einsames Gebäude, das zweifelsohne Geschichten bereithält, doch dem Zeitenwandel nicht standhalten konnte. Häuser, deren Modernisierung nicht lohnenswert scheint, werden abgerissen. Daher findet man an vielen Stellen in der Stadt plötzlich Lücken im Stadtbild. Manchmal entsteht dort dann ein neues Haus, eine kleine Grünfläche oder ein Spielplatz. Und es gibt Flecken, die bleiben einfach leer. Einer dieser Flecken wurde vor einigen Jahren aber künstlerisch aufgewertet. Es wurde eine Installation errichtet, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen soll. Ein riesiger „ZUHAUSE“-Schriftzug steht da an einer stark befahrenen Straße. Gewissermaßen Kunst, die jeden von uns direkt anspricht.



Das Wort „Zuhause“ löst sofort Assoziationen aus, meist sicher positive und oft verbunden mit der Heimat. Ist „Zuhause“ aber ein temporärer Begriff, lässt er sich dehnen oder steht er für einen ganz bestimmten, einmaligen Ort? War der heutige Platz der Installation einst ein Zuhause für jemanden? Wie wird oder würde sich derjenige fühlen, wenn er nun erkennen muss, dass dieses Zuhause materiell nicht mehr existiert? Gerade in unserer heutigen Zeit scheinen Landesgrenzen und Entfernungen keine Hürde mehr darzustellen. Wir sind mobil, es wird von uns erwartet, uns auch außerhalb unserer eigentlichen Heimat einzugliedern. Mobilität ist ein ständiger Begleiter des modernen Lebens, ob gewollt oder nicht. Umso wichtiger scheint es, einige Anker zu besitzen, an denen wir uns festhalten können. Für mich ist dieser Anker mein Zuhause. Mein Zuhause ist mehr als nur meine Wohnung. Es mein Reich, in das ich mich zurückziehen kann. Meine Oase, in der ich neue Kraft schöpfe, koche, Musik höre und mich dem Alltag sehr gern entziehe. Und „Zuhause“ ist ein Teil meiner Heimat. Ein gewisser Teil meines Zuhause-Begriffs kann nur von meiner Heimat ausgefüllt werden. Die Heimat, in der ich einen Großteil meiner Kindheit und Jugend verbracht habe und in der meine Eltern noch heute wohnen. Auch, wenn ich mein neues Zuhause liebe, es kommt nicht an meine Heimat heran. Und das ist eine Sichtweise, mit der ich sicher nicht allein bin. Gewisse Leerstellen können immer wieder neu besetzt werden. Mit jedem Umzug stellt sich heraus, ob dieser auch ein neues Zuhause generiert oder nicht. Für mich definiert es sich also aus wesentlich mehr, als nur einem Dach über meinem Kopf. Zuhause ist immer auch ein Gefühl.
Bewundernswert finde ich dabei, wie selbst unwirkliche und unwirtliche Orte ganz selbstverständlich zum (geliebten) Zuhause eines Menschen werden können. (Un)bewusst wird ihm immer ein persönlicher Stempel aufgedrückt, sei er manchmal auch noch so winzig. Doch egal, wie man es gestaltet, es eint uns dabei das Gefühl, dass dies ein Ort ist, an dem wir ganz wir selbst sein können und dürfen. 

Akzente machen jedes Zuhause einmalig

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