Dienstag, 9. Oktober 2012

Street-Art VI: Made in Berlin

Weiter geht’s in unserer kleinen Street-Art-Reihe. Heute widmen wir uns der Stadt Berlin. Berlin ist bekanntlich eine der deutschen Street-Art-Hochburgen. Natürlich findet man rund ums Brandenburger Tor und das Regierungsviertel eher weniger Objekte, die Street-Art beherbergen. Dafür muss man sich schon ein paar S-Bahn-Stationen weiter wegbewegen. Ich habe mich vor kurzem auf eine kleine Tour durch Berlin begeben und verschiedene Eindrücke gesammelt.


 
Beginnen wir mit der East-Side-Galery. Würde man die Busse voller Touristen aus aller Welt zählen, die dort in einer Stunde halten, würde man leicht auf eine zweistellige Zahl kommen. Bei dem Trubel fällt es gar nicht so leicht, sich auf die Kunstwerke zu konzentrieren, die dort am längsten erhaltengebliebenen Mauerstück präsentiert werden. Auf 1,3 km kann man auf der Ostseite der Mauer über 100 Bilder betrachten, die im Jahr 2009 von ganz unterschiedlichen Künstlern gezeichnet worden. Und so verschieden wie die Künstler sind auch die Bilder: von abstrakten Kunstwerken, wo aus vielen schwarzen Wellenlinien und Kreiseln eine nackte Frau und verzerrte Gesichter dargestellt werden, bis hin zu Bildern, die weniger farbenprächtig, jedoch um so wortgewaltiger daherkommen.


Und genau dieser Fakt macht diese Mauergalerie für mich so besonders: Die Künstler leben auf den verschiedensten Teilen unseres Kontinents und haben ihre Kreativität in Berlin Seite an Seite ausgelebt und ihr Statement zum Thema "Fall der Berliner Mauer“ aufgetragen. 
Diese Vielfalt führt dazu, dass man immer wieder überrascht wird, wenn man die East Side Gallery entlang läuft. Es lohnt sich, sich die Wandmalereien auch mal genauer anzusehen, weil manche Kunstwerke kleine Besonderheiten beinhalten, die man auf den ersten Blick nicht gleich erhascht. 




 
Wenn man an Street-Art interessiert ist, sollte man sich definitiv auf den Weg nach Friedrichshain machen. Auf dem RAW- Gelände an der Revaler Straße haben sich einige kreative Köpfe besonders an den leerstehenden Fabrikgebäuden ausgetobt. Besonders der schlafende Riese und die „glänzenden Aussichten“ stellten sich als wirkliche Eyecatcher heraus. In den alten Gemäuern hat sich heute ein Verein niedergelassen, der sich der Förderung subkultureller Projekte verschrieben hat. So findet man auf dem Gelände nicht nur leerstehende, sondern auch belebte Gebäude, in denen z.B. Workshops, Lesungen oder Variété-Veranstaltungen stattfinden. Und wenn sich manche Leute vielleicht fragen mögen, warum man Gelände wie diese nicht einfach aufgibt, wegreißt und schicke Wohnhäuser hinbaut, kann man ihnen nur entgegnen, dieses Gelände mal selbst zu besuchen und die Leute zu beobachten, die sich dort aufhalten, Spaß haben und mit anderen spielen, feiern und das Leben genießen. Es braucht dazu nicht immer schicke Terrassen und saubere, sterile Plätze.  


 
Und auch wenn das RAW Gelände schon einige Highlights beinhaltete, wurden diese von einer Häuserwand überboten, die nur ein paar Straßen von dem Gelände entfernt ist. Ich sah erst nur ein kleines Kino an einer Straßenecke, bevor mein Blick auf die Wand fiel. 
Für mich wirkte sie von weiten wie eine überfüllte Pinnwand, da so viele Kunstwerke über- und nebeneinander darauf geklebt, gemalt und gesprayt worden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man einige Motive wieder, die einem so ganz ähnlich noch an anderen Häuserwänden in Berlin begegnen, zum Beispiel das schwarz-weiß dargestellte Kind oder die gelbe Ente mit dem großen Schnabel. Diese Ente erinnert mich im Übrigen an eine Figur aus einer Trickfilmserie, die ich früher schaute. Ein Hingucker waren an dieser Wand aber auch die 3-D Raketen.



 
Aber nicht nur in Friedrichshain, sondern auch in Berlin-Mitte findet man solche kleinen Street-Art-Oasen, z.B. unweit der Hackeschen Höfe in einem Innenhof. Los geht es schon an der Decke des Durchgangs zu dem Hof. Im Innenhof findet man neben einem scheinbaren Kollegen des zuvor bereits entdeckten Riesen auch eine Mauer, auf der der Fernsehturm in Szene gesetzt wird. Auch 3-D Elemente wurden in Form von kleinen grünen Täfelchen an alte Mauern und Häuserwände angebracht. Und hier kann man tatsächlich von einer kleinen 'Oase' der Subkultur sprechen, da dieser Innenhof von edlen Boutiquen und touristischen Anlaufpunkten umgeben ist, wo man so etwas meist nicht vorfindet. Aber genau das macht für mich den Charme Berlins aus, eine Großstadt im Nebeneinander von Tourismus, Gentrifizierung und multikulturellen Subkulturoasen wie dieser.



 
Eine solche findet man auch am Ufer der Spree in Kreuzberg, wo sich ein bunter Haufen Menschen in einer Zeltstadt niedergelassen hat und keiner genau weiß, was und warum diese Menschen dort leben. Das soll hier auch keine Rolle spielen. Diese Zeltstadt wurde aber auf einer großen Freifläche vor Häuserwänden errichtet, die auch so einige Hingucker liefern. Ganz in der Nähe dieser Zeltstadt findet man ein Motiv an einer Seitenwand eines Wohnhauses, das sicher auch schon sehr oft fotografiert wurde. Auf den ersten Blick sieht diese rosafarbene riesige Figur ziemlich harmlos aus, aber man erschrickt sich ein wenig vor den unzähligen kleinen Figuren, die den augenlosen Riesen formen und die man erst bei genauerem Hinsehen erkennt.

 



Es gibt also einiges zu sehen und das hier Besprochene war nur ein kleiner Teil dessen, was einem begegnet, wenn man mit offenen Augen durch die Straßen Berlins zieht. Für Street-Art-Fans (und natürlich nicht nur für die) ist die Stadt auf jeden Fall einen Besuch wert.

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