Montag, 7. Januar 2013

Street-Art VII: Strick ist IN

Januar 2013: Schnee ist aus, Sonne leider auch. Regen? Fällt. Aber wenn es gerade mal nicht regnet, muss man die milden Temperaturen einfach für einen Spaziergang ausnutzen. Vor kurzem bin ich dabei in Leipzig auf eine Street-Art-Spezies gestoßen, über die wir hier noch nicht gebloggt haben. Es wird höchste Zeit, das zu ändern. Aber vorab folgende Feststellung:

Liebe Spraydose, du musst jetzt stark sein! Deine neue Kollegin Wolle ist auf dem Vormarsch und wenn du nicht aufpasst, läuft sie dir den Rang ab. Sie erobert seit einiger Zeit auch Leipzigs Straßen und Plätze.



Ihren Ursprung hat die Strick-Kunst, die man in der Szene auch Urban Knitting nennt, in Texas. Dort entschied sich Magda Sayeg 2005 nicht mehr länger nur Socken und Schals zu stricken, sondern die moderne graue Betonwelt mit Strickereien aufzuhübschen und damit ihren Protest - getreu dem Motto: „Das Leben ist bunt und nicht so steril und grau, wie ihr es erbaut.“ - auszuüben. Der Trend hat von Texas aus Länder wie Frankreich, die USA, Schweden und eben auch Deutschland erreicht. 2010 waren die gestrickten Schönheiten der Urban Knitter bereits an Lampen, Telefonzellen und Bäumen in Frankfurt am Main, Stuttgart und Berlin zu sehen. 


Mittlerweile haben sie auch Leipzig erreicht. Vor allem Straßenzüge in alternativen Stadtvierteln werden öfter mit Strick-Guerilla verziert, manchmal auch einhergehend mit politischem Protest. Im vergangenen Herbst konnten Radfahrer ihre Räder so zum Beispiel in der Karl-Heine-Straße an kuschelige Fahrradständer lehnen. Das ist nicht nur praktisch für die Fahrradbesitzer, die ihr Rad auf diese Weise etwas polstern können, sondern auch schön anzusehen.



Es sind kleine Farbtupfer, die auch an Brücken denen ein Lächeln auf die Lippen zaubern, die die kleinen bunten Strickstulpen entdecken. Leider werden sie aber sehr schnell von Passanten oder der städtischen Straßenreinigung entfernt, da die Stadt die Kunstwerke nur zeitweilig duldet und auf die Rechte Dritter pocht, die damit beeinträchtigt werden könnten. 


Aber davon lassen sich Urban-Knitter nicht unterkriegen. Es wird eifrig weiter gestrickt und man hat das Gefühl, die Maschen finden immer häufiger ihren – wenn auch kurzweiligen - Platz im öffentlichen Raum.



Und wer sich nicht (nur) für den öffentlichen Raum die Finger wund stricken möchte, könnte sich von eingemummelten Fässern inspirieren lassen, von denen man eines momentan auf dem Feinkost-Gelände in der Südvorstadt betrachten kann. 

Die Regentonne im Garten oder Blumentöpfe auf der Fensterbank würden sich bestimmt über ein wolliges Kleidchen freuen.

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