Samstag, 16. Februar 2013

Elbflorenz gegen Winter-Monotonie

Diese dunklen Winterwochen können auf das Gemüt drücken. Als ich mein Inneres deshalb vor ein paar Tagen sagen hörte: „Ein Ausflug nach Dresden an die Elbe wäre jetzt wohltuend.“, schnappte ich mir am nächsten Morgen meine Tasche und setzte mich in den Zug. Es war Sonntag, der Zug voll, aber für eine einstündige Fahrt zu ertragen. Ich hatte mir im Kopf schon meine Route zurechtgelegt. 

Am Dresdner Hauptbahnhof angekommen, sprang ich deshalb fix in eine Regionalbahn und fuhr noch einen Halt bis zur Dresdner Neustadt. Mein erster Weg führte mich zur Kunsthof-Passage, die mich immer wieder in ihren Bann zieht. Die kleinen Lädchen in den Innenhöfen hatten zwar geschlossen, aber dies hatte den Vorteil, dass sich dort wenig Leute umschauten. So konnte ich ungestört Fotos machen und mich an den wundervoll gestalteten Häuserfassaden erfreuen. Besonders der „Hof der Elemente“ mit dem Wasserspiel ist ein Augen- und Ohrenschmaus (Letzteres natürlich nur bei Regen). Auch der „Hof der Tiere“ ist sehr beeindruckend. An der Fassade biegt sich ein Giraffenhals der Sonne entgegen, der sich mit waghalsigen Äffchen, die dort über Seile von Fensterbank zu Fensterbank springen, die grüne Idylle teilt. Ein kleiner Brunnen vor dem Gebäude macht das kleine Paradies perfekt. 





Bei so einem Anblick vergisst man sofort die winterlich graue Tristesse. Diese hielt mich aber nicht davon ab, anschließend zum Elbufer zu laufen. Dort wollte ich mir den frischen Wind um die Nase wehen lassen und den Blick auf 'Elbflorenz' genießen. Denn ganz egal bei welchem Wetter, am Wasser lässt es sich am besten entspannen. Also ging es das Elbufer zwischen Marienbrücke und Carolabrücke entlang. Dabei ließ sich mein Blick nur schwer von der wunderschönen Altstadtsilhouette lösen. 

Johann Joachim Winckelmann (1755): "Dresden - hier wurde die Schönheit erfunden. 
Nichts als Fluss und Wiesen - in zartesten Farben und märchenhaftem Licht." 

Aber dann entdeckte ich ein paar Enten, die es sich am Ufer gemütlich machten. Ein paar Schritte weiter sah ich eine Ente mit einem auffälligen Federkleid. Zuerst glaubte ich, ihr würde Laub im Gefieder stecken, fragte mich aber, wie sie dann so ruhig im Wasser schwimmen könne. Als ich mich näher auf sie zubewegte, erkannte ich, dass es kein gemeines Herbstlaub ist, das sich verklemmt hat. Ich war erleichtert und entzückt von so einer bunten Ente, die da neben den uns bekannten Stockenten schwamm. Meine Recherche ergab, dass es sich dabei um eine Mandarinenente handelt, die ursprünglich in China und Japan beheimatet sind. Und nun sichtet man die bunten „Vögel“ auch auf unserer Elbe, ein echter Zugewinn, wie ich finde. 

 

Aber neben diesem Exot begeisterte vor allem der Ausblick. Dieser war es scheinbar auch, der E.T.A. Hoffmann um 1814 fragen ließ: "Wann werde ich wieder in den paradiesischen Gefilden wandeln, wann werde ich Dresden wiedersehen?" Die Stadt begeistert eben schon seit Jahrhunderten. 

Nachdem ich noch eine Weile den Ausblick von der Carolabrücke genossen und mir den kalten Wind um die Ohren hatte sausen lassen, machte ich mich wieder auf den Weg zum Hauptbahnhof. Kurz vor Erreichen der Frauenkirche schien übrigens zum ersten Mal für wenige Minuten die Sonne an diesem doch recht grauen Wintertag. Wenn das kein Zeichen war! Trotz des Wetters war das ein wirklich erholsamer Trip, bei dem der Wind den winterlichen Trübsinn aus dem Kopf gepustet hat ...


„Meine Neurosen, meine Leichtmatrosen sind verpackt in einen kleinen Koffer und bleiben ruhig. Alles pustet durch. Da geht wieder Licht an, wenn sich's bewegt und nicht steht.“ 
('Kraniche', Axel Bosse)

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