Sonntag, 7. Juli 2013

Betreff: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Lieber Sommer,

du hast dich ja ganz schön lange bitten lassen. Aber scheinbar hat es geholfen – du bist endlich angekommen. Gestern hörte ich in einem Bericht über dein Befinden, du würdest dich gar „einnisten“. Warum hast du dich nicht schon eine Woche eher dazu entschieden? So mussten wir den Sommerurlaub dieses Jahr bei Aprilwetter verbringen. Vielen Dank! Aber nicht, dass du es dir aufgrund der Nörgelei jetzt noch anders überlegst und dein Nest vorzeitig verlässt! 


Wir sind froh, dass du da bist und die Oper Leipzig freut sich bestimmt auch. Noch vor kurzem schipperte nämlich in der öffentlich zugänglichen Badewanne vor dem Gebäude eine überdimensional große gelbe Plastikente, die dich scheinbar freundlich aber bestimmt auffordern wollte, „mehr“ zu geben. Viel gelbe Farbe und zwei Worte helfen also? Das sollten wir uns fürs kommende Jahr merken. Wenn du dich dann wieder nur mit stoischer Gelassenheit aus dem Winterbett hebst und so lange für die Nestsuche brauchst, werden wir all unsere kleinen Quietscheenten auf unsere Fensterbretter und Balkone stellen und auf deren Brust die zwei Worte "Mehr Sommer" pinseln. Bei über 80 Millionen Einwohnern in Deutschland und gefühlt genauso vielen kleinen Badeenten werden sie dich so blenden, dass du sie nicht übersehen kannst. Und weil du von Natur aus ganz schön eifersüchtig bist und willst, dass wir dich genau so hinreißend finden wie diese Quietscheenten, wirst du dich ganz bestimmt beeilen.

Aber zurück in die Gegenwart: nicht nur wir Menschen, sondern auch unsere herzallerliebsten bellenden Vierbeiner führen zurzeit Jubeltänze auf, weil ihr Haar in der Sonne so schön glänzt. Hat die Stadt dann noch einen Springbrunnen gebaut, den sie während der Runde Gassi entdecken, gibt es kein Halten mehr. Ab von der Leine und rein ins Wasser. Während wir uns auf den Wiesen und Bänken zurzeit die Sonne auf die Nase scheinen lassen, sorgst du also mit deinen Temperaturen für Hundeshows, die besser als das derzeitige Fernsehprogramm sind. 



Wie gut, dass es – neben Hundeunterhaltung gratis – auch noch Kinos gibt, die ihre Leinwände deinem Befinden gemäß draußen aufstellen. Mit dir ist auch die Freilichtkino-Zeit zurück, die wir schon die vergangenen zwei Jahre hier in Chemnitz live auf dem Theaterplatz erleben durften. Endlich können wir also Bradley Cooper anhimmeln und gleichzeitig den Sonnenuntergang im Freien genießen. Möge es noch lange so bleiben.

Mit hoffnungsvollen Grüßen

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