Samstag, 4. Januar 2014

"Ich blogg dich weg!" - Ein Buch auf Wanderschaft




Das Wandern ist nicht mehr nur des Müllers sondern auch des Bücherwurms Lust. Diese Erkenntnis kam mir vor ein paar Monaten, als ich zum ersten Mal von einem Wanderbuch hörte, das weder Kartenmaterial noch Routentipps für laufwütige Hobbywanderer beinhaltete. Es geht bei der Aktion, von der ich euch heute berichten möchte, nämlich um den Prozess des Wanderns an sich. Und dieses ‚Wandern‘ ist überaus praktisch.

Leseratten wie ich stehen nämlich zumeist alle vor den gleichen drei Problemen: 1. Es gibt zu viele Bücher, die ich noch lesen möchte. 2. Das Geld ist zu knapp und 3. der Platz für all die Bücher in meiner Wohnung zu klein, um alle aus Punkt 1 zu erwerben. So eine „Wanderbuch“-Aktion kommt deshalb wie gerufen, da es gleich zwei der drei Probleme auf einmal löst.  Ich habe mich deshalb entschieden, Teil der Wanderbuch-Aktion zu werden, die der Blog Schattenwege ins Leben gerufen hat. Dabei ging es mir aber nicht nur darum, einmal selbst Teil einer solchen Aktion zu sein, sondern natürlich auch um das Buch. Denn wie Jessica, die Betreiberin des "Schattenwege"-Blogs, sehr passend geschrieben hat: 

Es gibt Bücher, die einfach jeder lesen muss. Bücher mit einer großen Bedeutung. Bücher mit einer starken Aussage. Bücher mit der Kraft, das Denken vieler Menschen zu beeinflussen und zu verändern. Eben Bücher, die das Leben zumindest ein Stück weit verändern können.

Am 1. Juli 2013 hat sie deshalb drei Exemplare des Buches  „Ich blogg dich weg!“ in Umlauf gebracht. Dazu hat sie ein Notizbuch gelegt, in das jeder Leser seine Eindrücke vom Buch niederschreiben soll. Jeder, der das Buch lesen wollte, musste sich bei Jessica melden und die Adresse hinterlassen, zu der es wandern sollte. So ergab sich eine Reiseroute. Am letzten Tag des Jahres 2013 machte eines der Exemplare endlich bei mir Station.

Es warteten 160 Seiten auf mich, in denen es um die Schülerin Julie geht, die von einem Tag auf den anderen aus ihrem unbeschwerten Leben gerissen und zum Mobbingopfer wird. Julie ist hübsch, beliebt und singt in der Schülerband „Jase Noju“, die sie vor einigen Jahren mit ihrem Bruder Noah, Sebastian und ihrer besten Freundin Jasmina gegründet hat. Doch Noah geht für ein Jahr ins Ausland, sodass die Band einen neuen Schlagzeuger braucht. Nach einigen Vorspielen stellt sich heraus, dass ausgerechnet Außenseiterin Lisa am besten trommeln und Noah ersetzen könnte. Nachdem Julies Mutter aber verbietet, dass Lisa Teil der Band wird und damit schlechten Einfluss auf Julie, Sebastian und Jasmina haben könnte, überbringt Julie Lisa die schlechten Neuigkeiten und Marek wird Noahs Ersatz. Kurz danach bekommt Julie die ersten E-Mails von einem unbekannten Adressaten mit Drohungen und Beschimpfungen. Dazu kommt wenig später ein Fakeprofil auf einem bekannten Sozialen Netzwerk mit pikanten Bildern von Julie und Postings – angeblich von Julie selbst -, die sie arrogant und zickig wirken lassen. Schnell hat das Profil viele „Freunde“, die auf Julies angebliche Selbstverliebtheit mit herablassenden Kommentaren reagieren. 

Die Autorin Agnes Hammer arbeitet in dem Buch gut heraus, wie rasend schnell sich so etwas z.B. in Schulen verbreiten kann und wie dies ein einst gut integriertes Mädchen an den Rand einer Gruppierung zwängen kann. Das Buch lebt dabei von den Perspektivwechseln. Jedes Kapitel beinhaltet das Innenleben von einem der wesentlichen Charaktere. So erhält man beim Lesen einen guten Einblick, wie lange es dauern kann, bis selbst der engste Kreis bemerkt, wie aus einer selbstsicheren Freundin immer mehr ein unsicheres seelisches Wrack geworden ist. Durch das Mobbing zieht sich Julie immer mehr zurück und traut sich viel zu spät, mit ihren Eltern über das Mobbing zu sprechen und dagegen vorzugehen. Dieses schmale Büchlein zeigt – was ich ihm anfangs gar nicht zugetraut hatte - die ganze Macht des Mobbings, von herablassenden Äußerungen bis hin zu körperlicher Gewalt. Auch wenn die Autorin bei der Ausarbeitung der Charaktere zu oft auf Klischees zurückgegriffen hat, ist „Ich blogg dich weg!“ definitiv empfehlenswert. Mobbing ist zwar inzwischen etwas mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, jedoch wird das Thema oft nur oberflächlich angekratzt. In Schulen sollten Bücher wie dieses deshalb meiner Meinung nach Eingang in die Pflichtlektüre finden, weil es nicht mit dem erhobenen Zeigefinder daherkommt, sondern in kurzer Zeit mit viel Tiefgang zum Nachdenken anregen und Augen öffnen könnte. 

Diese Buchwanderschaft hat sich also in jedem Falle gelohnt. Natürlich kann es auch zu unschönen Komplikationen auf der Bücherreise kommen, indem Exemplare z.B. nicht zur nächsten Station verschickt werden. Zum Glück war das bei meinem Exemplar nicht der Fall und ich habe es noch kurz vor Beendigung der Aktion erhalten. Habt ihr bereits Erfahrungen mit Wanderbüchern gesammelt? Was haltet ihr generell von einem solchen Projekt? Schreibt mir gern in einem Kommentar!


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