Mittwoch, 27. August 2014

Kinder, Kinder! Wie die Zeit vergeht


Nach 7 Jahren in Chemnitz teile ich mir meine Wohnung gerade mit vielen Umzugskartons. Es geht zurück in meine Heimat Leipzig. Und wie das beim Kistenpacken immer so ist, trifft man beim Verräumen manchmal auf Dinge, von denen man gar nicht mehr wusste, dass sie noch existieren. Zum Beispiel die Nachrichten-Messenger 1.0, über die wir in der guten alten Schulzeit noch kommunizierten. An What’s App und Co. war da schließlich noch nicht zu denken. Aber trotzdem gab es Möglichkeiten, sich zu schreiben. Auf Papier. Mit Stift. Ja, das ging damals noch ganz ohne dazwischengeschalteten Bildschirm. 

Als mir jedenfalls gestern dieses Briefbuch in die Hände fiel, kamen lauter tolle Erinnerungen an die Zeit hoch, als wir diese Bücher zum Gedankenaustausch, Motzen über Lehrer, Eltern oder einfach zum Berichten über Ferienausflüge, Urlaube und und und nutzten. Manchmal artete es ja schon ein bißchen in Stress aus, wenn man alle Bücher daheim hatte und wusste, dass die anderen Mitschreiber jeweils alle auf deine Antwort warteten. Aber das ist ja bei Facebooknachrichten und E-Mails heutzutage nicht anders. Mit das Aufregendste am Briefbuch war für mich immer die Einweihung eines neuen, wenn eines vollgeschrieben war. Wir versammelten all unsere kreative Energie an einem Tisch und machten uns ans Gestalten der Bücher. Die erste Seite zu beschreiben, fühlte sich jedes Mal toll an. Kamen Ferien, wurde sich am letzten Tag ausgetauscht, wer das Buch für die nächsten Wochen mit nach Hause nimmt. Denn aller 2 bis 3 Tage das Buch dem anderen zu übergeben, war ja in der Ferienzeit selten möglich. Da man Briefbücher aber eh nur mit Freunden geschrieben hat, die man auch außerhalb der Schule (also auch in den Ferien) traf, wechselte das Briefbuch auch innerhalb der Ferien öfter seinen Besitzer. Und dann hatte man wieder ganz viel, was man lesen, kommentieren und berichten konnte, denn selbst wenn nichts großartig passiert ist, hatte man immer etwas, das man in diese Büchlein geschrieben hat. Auch mal Listen, in denen wir Jungs aus unserer Jahrgangsstufe mit den Noten 1 bis 6 nach unterschiedlichen Kriterien beurteilt haben. Briefbücher sind also reich an so einigen Lachern, wie ich gestern Abend wieder festgestellt habe.

Ich weiß zwar nicht genau, worüber man sich heute bei What’s App als 13-Jährige unterhält, aber sicher sind es ähnliche Themen, die nur nicht in so einer Ausführlichkeit dargeboten werden. Die streng geheimen Briefbücher boten allerdings gegenüber What’s App und Co. den Vorteil, dass man nicht befürchten musste, dass die geschriebenen Inhalte von der NSA ausspioniert werden. Höchstens von Mama. Und ein weiterer Vorteil: ihre Gestaltung hat sich definitiv je nach Briefbuch immer unterschieden, da man sich austoben konnte, wie man lustig war. Individuell gestalten kann man Texte bei einem  Internet-Messenger  ja heute höchstens durch den Einsatz verschiedener Smileys. Über so eine Auswahl hätten wir uns damals allerdings  schon gefreut. Aber da wir ja total kreative Kinder waren, haben wir Smileys einfach selbst gemalt.

Eins steht jedenfalls fest: Briefbücher sind Unikate. Die werden nicht weggeschmissen und werden schön im Umzugskarton verstaut. Wie sieht es mit euren Briefbüchern aus? Habt ihr sie noch oder gab es die in eurer wilden Jugendzeit gar nicht?

Ich gehe jetzt weiter Kartons packen.
Auf bald!


Eure 

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