Freitag, 12. Januar 2018

"Ich brauch frische Luft ..."




Mit Beginn des neuen Jahres wird es höchste Zeit, die Staubflocken von unserem Blog  zu wischen und neue frische Luft hier reinzubringen („damit ich wieder bisschen atmen kann.“ [Wincent Weiß]) Und das passt auch im Allgemeinen gerade sehr gut, denn mit dem Jahreswechsel haben sich auch die echten vier Wände um mich herum verändert.

Es ist nicht so, dass ich mich gänzlich unwohl in meiner kleinen Zweiraumwohnung gefühlt habe, aber als die Vermieter – der Gentrifizierung sei Dank – vor über einem halben Jahr mit einer Mieterhöhung ins Haus schneiten, gab das den Anlass, sich mal umzusehen. Ganz zwanglos. Denn so ein paar Dinge in meiner Wohnung fehlten – größere Küche, Balkon. (Bitte mit Aussicht!) Im Hinterhaus zu wohnen hat natürlich den Vorteil, es schön ruhig zu haben, jedoch ist der Ausblick aus dem Fenster natürlich dementsprechend beschränkt. Nach über drei Jahren wollte ich Abwechslung, aber vor allem einfach mal wieder freien Blick auf einen Sonnenauf- oder -untergang. Als ich heute Morgen dann in meinem neuen Schlafzimmer von der Sonne wachgeküsst wurde, weil sie direkt und ohne Umwege vor meinem Fenster aufging, hat mir das gleich ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen gezaubert. Ein guter Start in den Tag!



Ich habe meine alte Wohnung wirklich sehr gemocht und ich bin so froh, dass ich mich vor über drei Jahren für sie entschieden habe, als ich zurück nach Leipzig kam. Sie hat mich aufgefangen und mir nach einer ziemlich schweren Zeit wieder vier Wände geschenkt, die sich nach Heimat, nach Wärme, Wohlbefinden und Leichtigkeit angefühlt haben. Es war einfach immer schön, nach Hause zu kommen. Das klingt sicherlich merkwürdig, da es selbstverständlich sein sollte, aber leider ist es das nicht.


Noch bevor ich in meine alte Heimat zurückgezogen bin, musste ich nach sieben Jahren in der gleichen Wohnung die Erfahrung machen, dass es manchmal auch ein Zuviel geben kann. Ein Zuviel an Zeit, die man die immer gleichen Wände anstarrt. Ein Zuviel an Anonymität, die hinter elfstöckigen Plattenbaubunkern steckt. Ein Zuviel an Leere in einer kleinen Einzimmerwohnung.  Ich musste damals einfach raus und dorthin zurück, wo ich mich am wohlsten fühlte und immer noch fühle. Nach Leipzig. Und dann habe ich dieses schöne Stück Wohnraum in einem kleinen Hinterhaus gefunden, in dem so viel frische Luft und so viel Leben steckte, dass es sich von Minute 1 an einfach richtig angefühlt hat. Ganz nebenbei lernte ich dort einen wundervollen Menschen kennen - die beste Nachbarin, die man sich wünschen kann, mit zwei Fellnasen, die mich jeden Tag durchs Fenster begrüßt haben, wenn ich von der Arbeit kam und auf die ich noch heute liebend gern aufpasse, wenn meine liebste - inzwischen ehemalige - Nachbarin verreist. 


Trotzdem begann ich mich vor einigen Monaten umzusehen und nachdem ich bereits glaubte, eine tolle neue Wohnung gefunden zu haben, kam mir meine Schwester mit einem wirklich tollen Schmuckstückchen um die Ecke. Nein, nein, kein Schloss am See, auch kein Reihenhaus mit Garten … einfach eine großzügige Zweiraumwohnung mit einer tollen Küche und einem Balkon, in den ich mich beim ersten Besichtigen sofort schockverliebt habe. So ging es vor ein paar Wochen vom Westen in den Osten der Stadt. Ich freue mich so sehr auf die warmen Wochen und Monate und darauf auf meinem fast 10qm großen Balkon mit frischem Kaffee in den Tag zu starten und mit meinen Freunden auf ihm die sommerliche Abendluft zu genießen. In meinem Kopfkino fühlt sich das zwischen bunten Blumenkästen  und frischen Kräutertöpfen schon richtig gemütlich an.


All diese schönen Momente würde ich so gern auch mit einer Person teilen, die mir durch Zufall ein paar Monate nach meiner Rückkehr nach Leipzig über den Weg gelaufen ist und mit der ich zwei wundervolle Jahre hier hatte. Uns hat so viel verbunden, vor allem die Leidenschaft zur Musik. Aber so sehr frische Luft gut tut - manchmal wird aus einem kleinen Lüftchen plötzlich wie aus dem Nichts ein heftiger Sturm, der von einer Minute auf die andere alles einreißt und kaputt macht. Der jedes Wort sofort verschluckt und aus Trümmern so hohe Mauern baut, dass es keine Chance gibt, sie zu überwinden. Ich habe es versucht. Aber es hilft nicht, Mauern wie diese immer wieder eintreten zu wollen, wenn auf der anderen Seite unberechenbare Kräfte wirken. Mittlerweile sind über drei Monate vergangen, ohne auch nur ein einziges Wort ausgetauscht zu haben und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es würde nicht immer noch wehtun. Aber die Wunden heilen langsam. Vor allem weil es viele liebe Menschen gibt, die nach dem Sturm beim Wiederaufbau geholfen haben und weil es gerade so viel frische Luft um mich herum gibt, die mir jeden Tag aufs Neue beweist, dass das Leben immer weiter geht und sich neue Türen öffnen, wo sich – gewollt oder ungewollt – alte schließen. 

In diesem Sinne bis bald
Eure Tiny

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